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Ich bin mal kurz weg ...

8.00 Uhr morgens, das Telefon Klingelt. Das kann nur Rogo sein. Normalerweise eilig, gehetzt, alles klar?
Diesmal nicht. Der Inspecteur ruft zur Inspection. Dass schon seit 10 Jahren nicht mehr - zumindest nicht spontan.

5 Tage später geht es los. TAP, 11.30 Uhr kommt das Taxi.
Jedoch kommt um 11.10 Uhr noch der Anruf meiner Tochter - Papa mir tut die Backe weh.
Dann komm nach Hause, noch bin ich da. Keiner kommt. Stark, das Entspannungspils schon am Hals, Wedel ich mir die Fakel weg und renne in die Schule. Sie sitzt entspannt in der Klasse. Hier geht keiner allein nach Hause. Super der Hinweis wäre um 11.30 cool gewesen. Wir rennen zurück, das Taxi steht mit laufenden Motor bereits vor der Tür. Schnell die Sachen geholt - Abfahrt.

Zuvor noch schnell nen Pitch gewonnen, doch die Freude geht ein wenig in der Hast unter.

Es steht vor der Tür - Das Wochenende mit Rogo auf dem Anwesen.


2 Tage zuvor.

Rogo ruft seit dem jeden Tag an. Sonnst vielleicht alle 3 Wochen.
"Pack Regenzeug ein ..."
Ich checke die Wellen, die Navy prophezeit 3-4 m. Dreck - das heißt fahren. Arifana mit Glück, sonnst mindestens bis an die Algarve.
Das ist der Fluch des Winters. Es gibt nicht "kuschelig", es gibt nur auf die Fresse oder Gurken bis der Arzt kommt. Früh hoch, Frühstücksbier, losgurken, Spots checken, 2 h surfen, zurück und dunkel.

Tag 1 - Eingecheckt und los.

Über Frankreich wackelt es wie der Teufel und die etwas schwerere Dame zu meiner rechten verbeißt sich in ihren Vordersitz.
Doch nach der Landung ist alles vergessen. Uns begrüßen sonnige 20 Grad und ein Licht wie es hier im Norden schon verschwunden ist.

Nach 2,5 h und 8 Sagres rollen wir aufs Grundstück ein. Es sieht alle so aus, als wären wir gerade gestern noch da gewesen.
Wir haben heute noch ein Date mit Bird - die Leber soll auch spüren, dass wir wieder da sind ...

Tag 2 - Sonne ist Energie

Am nächsten Morgen scheint die Sonne wie immer über den Berg, mir ist noch schlecht von gestern - aber was soll's.
Nur in Shorts Schraube ich die Quads ins Board, Konterbier zur Hand. Ich bin gespannt, was der Atlantik für uns vorbereitet hat.

Zuerst nach Zambujeira do Mar. Die Wellen sind fett und machen schon jetzt die Bucht zu. Also rüber an die Algarve.
Nach einer 1/2 Stunde kommen wir über die Berge runter ans Wasser. Keine Umwege, gleich zum Spot. Uns kommen viele Surfer entgegen, die Neos hängen über der Brüstung der kleinen Bar zum trocknen.
Na super, High Tide. Dieser Spot geht nur bei Ebbe. Wir starren auf die Bewegungen der Wellen und malen uns aus, wie es vor 2 Stunden war.
Weitersuchen, bei Luz gibt's ne Platte, die geht auch bei Flut.

Und tatsächlich, sie läuft. Es ist warm, angenehm warm und wir laufen in Neos den Strand rauf. Den Rest der Strecke muss man Paddeln, wenn das Wasser so hoch ist.
Die Wellen haben gerade mal 3-4 Füßchen. Aber durch das Riff glacy und zackig.

Glücklich, von der tief stehenden Wintersonne geblendet sitzen wir da und warten auf den nächsten Set. Hatte ich schon erwähnt wie warm es ist? Ein Geschenk.

Es war kein guter Surf, aber das ganze Leben ist immer eine Frage der Relativität. Normalerweise würden wir gerade in Hamburg bei 6 Grad im Büro ablungern, bis wir graue Haut bekommen. Wir hatten Sonne - Energie.

Den Rest des Tages verbringen wir damit, soviel Bier wie es geht zu vernichten und dabei in die Sonne zu schauen - das ist leben.

 

Tag 3 - ... die haben uns die Hosen geklaut!

6.46 Uhr. Ein Sturm ist aufgekommen. Wir haben gestern so viel Bier vernichtet, dass wir schon um 21.30 Uhr im Bett waren. Heute wollen wir um 9.00 Uhr am Spot sein, dann ist das Wasser schon eine 1/2 Stunde aufgelaufen.
Losfahrpils und Abfahrt. Pünktlich biegen wir zum Spot ab. Als wir ans Wasser kommen sind die Wellen groß. Größer als hier erwartet. Es war aber auch hier stürmisch. Vorn sogar leicht seitlich ablandig.

Hektisch springen wir in den Neo, Karre zu und los. Kurz über die Felsen jonglieren und rein ins Wasser. Man kommt gut raus. Die Wellen haben bis zu 2,5 m. Das Wasser ist sehr warm. Das kommt durch den Südwind. Wir sind ca. 2,5 h auf dem Wasser und schnappen eine nach der anderen. "Mit der nächsten gehe ich an Land" Das früh aufstehen hat sich gelohnt. Es wird zeit wieder los zu fahren. Der Gärtner kommt schließlich um 14.00 Uhr.
Da kommt auch schon die erste große und Rogo düst los. Ich muss noch auf den nächsten Set warten. Und da kommt auch endlich mein Heimticket.
Ein sehr schönes Wellchen direkt bis vor dem Ausgang vom Strand.
Rogo kommt mir schon hektisch in Badehose entgegen. "Die haben die Karre aufgemacht - ich habe keine Hosen mehr". Schöne Scheiße, auch meine Hose und mein Logsleeve sind weg. Der Scheiß - in meiner Hosentasche waren meine Schlüssel.
Wir beschließen im Neo zum Surfschop in Arifana zu fahren, da Rogo nicht ein mal mehr eine Unterhose hat. Die Scheiben beschlagen von den nassen Neos. Mit nem Sagres in der Hand sagen wir uns immer wieder: "Die haben unsere Hosen geklaut ..."
Im Surfshop angekommen springen wir im Neo rein und erklären die Situation. Der Surfshopbesitzer muss schon ein wenig sein Grinsen unterbrücken. Ein mal alles neu und noch ein neues Surfbrett für Rogo oben drauf.
Keine 20 min. später sind wir wieder auf der Piste. Jetzt können wir wenigstens noch im Supermarkt ne Kiste Bier kaufen.
"Rogo, die haben unsere Hosen geklaut!"
Zuhause angekommen wartet schon Antonio und Rogo beginnt mit ihm das Pflanzen der Bäume durch zu sprechen. Und ich hatte jetzt das Problem, dass mit meinen Hosen wie bereits erwähnt auch meine Schlüssel weg waren.

Doch selbst ist der Mann. Ich hatte das Dachfenster auf "Kipp", so dass ich übers Dach einsteigen konnte. Glück gehabt, ich mußte nichts weiter kaputt machen.

Der Rest des nachmittags lief tiefen entspannt. Wir saßen auf der Bank in der Sonne, starrten bei einem Pils und Sportzigarette auf Rogos neues Brett und surft schon mal in Gedanken ein paar Runden.

 

Tag 4 - Rogo will wieder Shortboarden

Die ganze Nacht hat es gestürmt. Mann muss an dieser stelle wohl nicht erwähnen, dass wir es uns gestern wieder voll gegeben haben und schon kurz nach 20.00 Uhr im Bett lagen - handlungsunfähig.
Heute morgen ist der Sturm verschwunden. Mal sehen was uns der Surf heute bringt.

Wir zotteln wieder zu Algarve runter. Am Strand angekommen stellen wir fest, das der Wind gar nicht abgenommen hat. Im Gegenteil, er bläst noch stärker als gestern. Leider auch ein wenig mehr auflandig. Dafür sind die Wellen noch ein mal höher geworden. Wir grasen die üblichen Verdächtigen ab - überall sieht's nicht gut aus.
Wir entschließen uns nach Sagres zu fahren.


Und siehe da, Mareta läuft. Das dachten sich natürlich auch die 50 Anderen, mit denen wir nun auf dem Wasser sitzen.
Wieder geflegte 2 m, die mit steigender Flut zu 2,5 m Shorebreake werden.
Rogo ist mit seinem neuen 6'4 am Start. Es soll seine Rückkehr zum Shortboarden sein. Er hat zwar ein paar Wellen, aber richtig glücklich haben ihn die nicht gemacht. Er muss sich erst seine Longboardtechnik abgewöhnen und die Wellen da schnappen, wo sie das Maul aufreißen, um dann gleich an der vorderen Zahnreihe daran längs zu ballern.
Rogo hört auf und geht schon mal zur Karre zurück. Ich nehme noch ein paar und komme dann auch.
Diesmal hat keiner die Karre aufgebrochen - schon gewonnen!
Auf dem Rückweg beschließen wir uns Carrapateira bei 4,5 m Welle mit 7 bft ablandigen Wind an zu schauen. Die Wellen brechen recht weit draußen. Es sieht gar nicht so hoch aus. Doch der ablandige Sturm schleudert die Lippe beim brechen für noch ein mal lockere 2-3 m über die Welle hinaus.

Für den Nachmittag lade ich zu einer gemütlichen Offroad-Challenge. Lada angeschmissen und ne dicke runde durchs Hinterland stehen auf dem Plan. Ein Sack Bier, Sportkippe Abfahrt.
Rogo kennt vom Moped fahren noch einen stillgelegten Weg mit Flussüberquerung.
Gesagt getan, Sperre rein und der gute alte Lada Flüge sich genüsslich durchs Gelände. Hier keine spur von Altersschwäche. Wir fahren eine steile Matschpassage mit Wasserfurchen hoch. Der Weg ist zugewachsen mit Daumendicken, ca. 1,5 m hohen Sträuchern. Diese biegen sich durch die Front des Ladas nach unten. Wir fahren in eine Wand aus grün.
An der Mühle nehmen wir das Bier und beschließen uns dem Kochen zu widmen, bevor es dunkel wird. Heute steht Tortilla auf dem Plan.

 

Tag 5 – Burgau läuft.

Als wir gestern Abend, bevor wir zur Mühle Gefahren sind, das Wetter checkten stand für diese Nacht ein Wolkenbruch auf dem Plan. Das es jedoch so krachen würde hatten wir nicht gedacht. 1000 Blitze, Donnern. Die Wolken glühen wie eine Glühbirne. Sturm und mitten in der Nacht sogar fetter Hagel. Nur zur Erinnerung, am Tag hatten wir locker warme 22 Grad. Heute morgen regnet es noch ein wenig, aber alles nichts im Vergleich zur Nacht.
Regen beruhigt das Meer - ich bin gespannt, mache den Kamin noch ein mal an, ein Bier auf und Tippe diese Worte ...

Gegen 9.00 Uhr ist auch der letzte Tropfen gefallen und wir machen uns mal wieder auf die Socken. Wie immer ist es noch viel zu groß angesagt und es treibt uns abermals an die Algarve.

Heute muss Major Burns (unser alter Fiat Fiorino, den wir Verleihnix abgekauft haben) zu Brigitte und Willi gebracht werden. Es fühlt sich gut an die alte Kiste über den Berg zu manövrieren. Es fährt hier aber auch die Angst aus unzähligen Polizeikontrollen mit. Nachdem wir einen kurzen Plausch gehalten haben geht es weiter. Willi hat wieder fleißig gebastelt. Es gibt jetzt noch eine überdachte Grill und Kochstelle gegenüber der Häuser.

Und los. Die alte Tour. Spotcheck - am ersten Spot sieht es noch immer chaotisch aus, aber noch einigermaßen groß. Wir gucken noch mal bei Burgau. Und siehe da, hier geht es einigermaßen geordnet zu. Hinten die Riffecke am Restaurant läuft. Ich schwärme heute noch von dem glacy 2 m Tag, an dem man bei Flut von der äußeren Spitze bis an die Mauer des Restaurants fahren konnte. Heute war es nicht ganz so perfekt aber es lief und wir waren allein auf dem Wasser.

Ich nehme die erste Welle und merke wie schön loose mein Board oben in der Welle steht, die Nase ein wenig nach vorn gedrückt und schon rauscht du an der Wand entlang, um den vollen Speed aus dem oberen Drittel zu nutzen in einen großen Turn mit einer Hand über der Wasseroberfläche durchs Wellental, zurück zur Lippe zu turnen. An der Lippe möglichst wieder weit oben ein mal kräftig reinhacken und und schon stehst du wieder backside zur Fahrtrichtung.
Nach zweieinhalb Stunden sind wir dann durch. Noch ein mal einen schönen großen Shorebreake Hügel geschnappt und raus.
Auch Rogo findet seinen Weg zurück zum Shortboarden.
Es wurde nichts geklaut, wir hatten ein guten Surf, was will man mehr.

Es steht noch ein weiteres treffen mit dem Gärtner an, also ab nach hause.
Der Rest des Tages verlief wie immer. Kochen, Grundstückswanderung Abkackbier und schön um 21.30 Uhr ins Bett.

Tag 6 – Das Herrengedeck

Der letzte Tag. Wieder regnete es ein wenig in der Nacht und Morgens fallen die letzten Tropfen. Ich mache morgens wieder den Karmin an. Es ist Kühler geworden. Wir hatten gestern beschlossen heute nicht ganz so viel rum zu gurken. Entweder es geht oder nicht.
Tagesaufgabe: Klinger (meine Lada Niva) bei Mario abgeben – endlich wieder TÜV. Vielleicht haben wir Glück und die Westküste ist wieder fahrbar.
Ansonsten heißt es aufräumen und alles klar machen, morgen müssen wir schon um 4.00 Uhr morgens los.
Es ging natürlich nicht. Wir haben im ehrlichen Kaffee am Homespot ein Sagegres mit Tosta Mista zum Frühstück eingenommen und das ganze mit einem ehrlichen Herrengedeck abgerundet (dues bicas y dues brandys).
Aber es hat mit dem Lada auf Anhieb hingehauen. Mario war da (das sogar beim ersten mal!) und stöhnte wie immer rum wie anstrengend das leben doch sei. Ein gutes Zeichen, dann wird auch der Rest wieder wie immer laufen und die alte Schlorre kriegt noch ein mal ein Jahr auf Bewährung.
Der Nachmittag verlief durchwachsen. Wir haben alles gemacht, was gemacht werden muss und werden gleich das letzte Abendmahl vorbereiten.
Morgen um 3.00 Uhr aufstehen und Abfahrt.

 

Tag der Abfahrt – Und Tschüss

Ich hatte gestern noch soweit alles weggeräumt, dass der Morgen getrost dem Motto: "Kaffee, kacken und Abfahrt" laufen sollte.
Doch Rogo ist wieder der alte, rastlos und aufgeregt steht er schon um 3.00 Uhr mit der Taschenlampe vor meiner Tür.
Nun denn, schnelles Frühstückspils auf das oben beschriebene und dann die Schnauze des Mietwagen gen Lisboa biegen.
Die Fahrt verläuft ruhig und bei der Abgabe des Mietwagen haben wir ganz die Einbruchbeichte vergessen. Naja, fehlt ja nur das Schloss ...

Es ist immer wieder schön mal eben übers Wochenende aufs Anwesen zu fahren. Es ist das Konzentrat aus einem Urlaub. 5 Tage, 5 mal Wellen, 5 verschiedene Spots. Und um so schöner, wenn die alte Riege mal wieder los kommt - Danke Rogo ...

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